In den 1970er Jahren begannen Frauen aus dem Schatten der Männer zu treten: In Wissenschaft, Kunst und Politik beanspruchten sie nun ihren Platz. Aktivistinnen im ganzen Land machten sich frei von Abhängigkeiten - und emanzipierten sich. Sie gründeten Frauengruppen in unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft, die sich untereinander vernetzten und bestärkten. Die neue Frauenbewegung setzte sich für die Gleichstellung der Frau nicht nur auf rechtlicher Ebene, sondern in der allen Teilen des alltäglichen Lebens ein. Es entstanden Frauenzentren, Frauenzeitschriften, Frauenbands, autonome Gesundheits- und Rechtsberatungen und vieles mehr. Das klassische Verständnis von Politik wurde dabei ständig herausgefordert. Auch das Private war politisch!

Die 1970er Jahre werden als einzigartig beschrieben und Zeitzeugen berichten einheitlich von einer ganz besonderen Atmosphäre. Die Neue Frauenbewegung, mit ihren Forderungen nach Gleichberechtigung, leistete einen wichtigen Beitrag zu der "revolutionären Stimmung" in diesen Jahren. In den folgenden Interviewausschnitten äussern sich Aktivistinnen zu ihren Erfahrungen in und mit der neuen Frauenbewegung: Wie sah der Kampf um Frauenrechte aus? Wie erlebten sie die neue Frauenbewegung? Welche Fragestellungen waren wichtig? Was wurde diskutiert? Wie bildete sich die Frauenbewegung in der französischsprachigen Schweiz? Gab es internationale Einflüsse? Die Antworten auf diese Fragen sind vielfältig:

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Doris Stump

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Ursula Brunner

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Ursula Streckeisen

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Muda Mathis

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Miriam Cahn

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Anita Fetz

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Stella Jegher

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Claudia Kaufmann

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Rina Nissim

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Marianne Wullschleger

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Rolf GIlomen

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Ursula Brunner

Der Begriff "Feminismus"

Auf die Frage was Feminismus sei, gibt es zahlreiche Antworten. Der Duden definiert Feminismus als "Richtung der Frauenbewegung, die, von den Bedürfnissen der Frau ausgehend, eine grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen Normen (z.B. der traditionellen Rollenverteilung) und der patriarchalischen Kultur anstrebt". Wir haben Aktivistinnen der Neuen Frauenbewegung gefragt, was sie unter diesem Begriff verstehen und erhielten zahlreiche unterschiedliche Definitionen: Von "Frauen stärken" oder sie "ermächtigen" über Bezeichnungen wie "Herrschaftskritische Haltung" oder "Arbeitsinstrument" bis hin zu "Ich weiss es nicht" - und manchmal ist es auch von der Tagesform abhängig:

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Muda Mathis

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Laura Rossi

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Elisabeth Joris

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Stella Jegher

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Doris Stump

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Anita Fetz

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Ursula Streckeisen

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Heidi Witzig

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Zita Küng

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Judith Stamm

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Margrith von Felten

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Theres Blöchlinger

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Claudia Kaufmann

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Rolf GIlomen

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Ursula Brunner

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Ingrid Rusterholtz



Die alte und die neue Welle der Frauenbewegung

Den traditionellen Frauenstimmrechtsorganisationen war es lange Zeit nicht gelungen, eine breite Öffentlichkeit für ihr Anliegen zu mobilisieren. Die Alte Frauenbewegung versuchte mit einer „Politik der kleinen Schritte“, also Dialog, Diskussion und den Appell an die Vernunft der Herren das Frauenstimmrecht durchzusetzen – mit Nachdruck vorgebrachte Maximalforderungen gehörten hier nicht dazu. 1968 fand eine Jubiläumsveranstaltung des Zürcher Frauenstimmrechtvereins statt. Junge Frauen störten die Veranstaltung mit der Begründung, dass es nichts zu feiern gäbe, sondern vielmehr offener Protest nötig sei. Dieses Ereignis wird von vielen als Geburtsstunde der neuen Frauenbewegung betrachtet. Hier bahnte sich an, was in den 1970er Jahren zum Kennzeichen einer neuen sozialen Bewegung von Frauen werden sollte: provokative Aktion anstelle von geduldigem Lobbying. Die Geduld der Frauen war vorbei. Diese neue soziale Bewegung stand im eigenen Selbstverständnis in einem Gegensatz zu den Frauen, die sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts für das Frauenstimmrecht eingesetzt hatten.

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Heidi Witzig

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Zita Küng

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Rolf GIlomen

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Ingrid Rusterholtz

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Peter Sigerist

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Laura Rossi

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Judith Stamm

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Margrith von Felten

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Zita Küng


Die 68er-Bewegung

Die neue Frauenbewegung entstand als Folge der Jugend- und Studentenbewegung von 1968. In dieser "68er-Bewegung" hatte die Neue Frauenbewegung einen wichtigen Bezugspunkt: So wie die 68er Bewegung autoritäre Strukturen in Politik und Wirtschaft kritisierte, griffen Aktivistinnen der Neuen Frauenbewegung autoritäre Strukturen innerhalb der Gesellschaft an: diejenigen zwischen Frau und Mann. In den Interviewausschnitten rechts berichten Zeitzeugen von einer Atmosphäre des Aufbruchs und des Wunsches nach Veränderung und Neugestaltung.


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Rolf GIlomen

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Catherine Schmidt


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Doris Stump

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Irene Candinas


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Zita Küng


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Guido Nussbaum

Ab 1968 gerieten Unterdrückungsverhältnisse im sozialen und ökonomischen Bereich vermehrt in den Blick: In der Schule, in der Arbeit, in der Familie und in den Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Der Marxismus (an den sich der Kommunismus anlehnte) sprach dabei vom Hauptwiderspruch, der das Verhältnis zwischen Lohnarbeit und Kapital aufzeigt. Als Nebenwiderspruch galt die Unterdrückung der Frau. Hier war der Anknüpfungspunkt für Frauen – und hier lag zugleich auch ihre Enttäuschung. Sie waren nicht bereit die Unterdrückung der Frauen als Nebenwiderspruch zu akzeptieren. Denn Frauen wurden auch in der 68er-Bewegung häufig Hilfstätigkeiten zugewiesen - sie waren, wie auch sonst in der Gesellschaft, damit beschäftigt, ihren „revolutionären“ Männern den Rücken freizuhalten.

Trotzdem, es ging auch anders. Zita Küng erklärt im Video unten, dass Klassenkampf und der Kampf um Gleichberechtigung sehr wohl miteinander vereinbar sind.

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Peter Sigerist

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Guido Nussbaum

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Peter Sigerist